Reiterdenkmal in Mailand mit gelber Farbe besprüht

Am 9. März 2023 besprühten zwei Aktivisten der italienischen Gruppe Ultima Generazione das Reiterstandbild von Vittorio Emanuele II auf der Piazza del Duomo mit gelber, ockerfarbener Farbe, aus Behältern versprüht, die über Schläuche mit der Statue in Kontakt kamen. Anschließend verteilten sie Flugblätter und entrollten Transparente. Die Carabinieri griffen rasch ein und nahmen die beiden fest, einen 26-jährigen Mann und eine 23-jährige Frau.

Das Denkmal selbst ist kein Nebenschauplatz: Der italienische Bildhauer Ercole Rosa schuf die 15 Meter hohe Bronzestatue im Auftrag von König Umberto I., eingeweiht wurde sie 1896, mitten auf der Piazza del Duomo, direkt vor einer der meistfotografierten Kulissen Italiens. Schon 1970 sorgte das Denkmal für Aufsehen, als der Künstler Christo es für eine Aktion komplett einpackte, wegen heftiger Proteste von Monarchisten und empörten Bürgern blieb die Verhüllung aber nur zwei Tage bestehen.

Ultima Generazione erklärte, man wolle mit der Aktion gegen staatliche Investitionen in fossile Energieträger protestieren und mehr Mittel für eine ökologische Transformation fordern. Die Gruppe verwies zur Rechtfertigung selbst darauf, dass sich viele Menschen eher über etwas abwaschbare Farbe empörten als über die fortschreitende Zerstörung der eigenen Zukunftsgrundlagen, so die Argumentation der Aktivisten.

Genau an diesem Punkt zeigte sich allerdings ein handfestes Problem: Die Farbe erwies sich entgegen ursprünglicher Angaben als praktisch nicht abwaschbar. Reinigungskräfte der städtischen Entsorgungsfirma AMSA scheiterten an einer normalen Reinigung, sodass die Stadt Mailand eine spezialisierte Ausschreibung für ein Restauratorenteam durchführen musste. Fertiggestellt wurde die Restaurierung erst im August 2023, rund fünf Monate nach der Aktion. Ganz nebenbei befeuerte der Vorfall auch die politische Debatte in Italien: Nur einen Monat später brachte die Regierung einen Gesetzentwurf auf den Weg, der Geldstrafen zwischen 10.000 und 60.000 Euro für Beschädigungen an Kunst- und Kulturdenkmälern vorsah.

Zur Einordnung, falls die Aktion mit einem Brunnen verwechselt wird: Im selben Jahr gab es mehrere ähnliche Proteste in Italien, aber nicht in Mailand. Am 1. April 2023 färbten Aktivisten das Wasser des Barcaccia-Brunnens an der Spanischen Treppe in Rom schwarz, am 22. Mai 2023 den Trevi-Brunnen, ebenfalls in Rom.

Wir waren zufällig genau an diesem Tag auf der Piazza del Duomo unterwegs und haben die Aktion direkt miterlebt. Auffällig war vor allem, wie die anwesenden Polizeikräfte zunächst reagierten, oder eher: wie lange sie zunächst gar nicht reagierten. Sie standen in einiger Entfernung und wirkten für den ersten Moment unschlüssig, bevor die Carabinieri eingriffen. Für uns ein kleiner Einblick, wie unvorbereitet auch gut ausgestattete Sicherheitskräfte auf so eine schnelle, kurze Aktion reagieren können.

Polizei Mailand

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